Botulinum zur Tinnitus-Therapie?

Botulinum zur Tinnitus-Therapie

Botulinumtoxin – diesen Wirkstoff kennen sie wahrscheinlich aus der Faltenbehandlung. Hierbei sorgt er für eine Entspannung der Muskulatur, sodass sich bestimmte Falten (z. B. die Zornesfalte zwischen den Augen) glätten.

Doch ursprünglich stammt Botulinum aus der Medizin, wurde und wird noch immer zur Therapie bestimmter Krankheitsbilder eingesetzt. Es zeichnet sich auch eine Indikation ab: Botox zur Tinnitus-Therapie.

Ob der Wirkstoff gegen Ohrgeräusche helfen kann? Wir gehen der Sache auf den Grund.

Was ist ein Tinnitus?

Bei einem Tinnitus handelt es sich um ein permanentes, unangenehmes Geräusch im Ohr. Es klingt wie Pfeifen oder Piepsen – manche Patientinnen und Patienten nehmen es auch als Rauschen, Summen oder Klirren wahr. Die Ohrgeräusche können entweder akut auftreten (nicht länger als drei Monate) oder chronisch werden (länger als drei Monate). Außerdem unterscheidet man zwischen einem objektiven Tinnitus – dieser ist auch von uns bei der Untersuchung mit dem Stethoskop hörbar – und dem subjektiven Tinnitus. Hierbei hören nur Sie das Klingeln und Surren.

Die Ohrgeräusche können im Zusammenhang mit einer körperlichen Erkrankung stehen. Neben typischen HNO-Erkrankungen, wie Mittelohrentzündung, Otosklerose oder einem Hörsturz, können auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Arteriosklerose, Bluthochdruck oder Diabetes ursächlich für den Tinnitus sein. Nicht zu vernachlässigen sind auch Verspannungen im Bereich des Nackens und des Rückens oder Kiefergelenksbeschwerden.

Ein möglicher Auslöser kann auch die Psyche sein. Anhaltender beruflicher und/oder privater Stress oder andere psychische Probleme können das Ohrenklingeln als Reaktion auf Ärger und Überbelastung entstehen lassen.

In manchen Fällen gibt es keine eindeutige körperliche oder psychische Ursache. In diesem Fall sprechen wir von einem idiopathischen Tinnitus.

Was ist Botulinum?

Der Name Botox gilt mittlerweile als Synonym für verschiedene Produkte, die mit dem Wirkstoff Botulinumtoxin arbeiten – doch eigentlich handelt es sich um eine geschützte Markenbezeichnung eines Herstellers. Dies verhält sich ähnlich, wie wenn Sie den Begriff „Tempo“ verwenden und damit ganz allgemein ein Papiertaschentuch meinen (das auch von anderen Unternehmen hergestellt wird).

Botulinum wirkt folgendermaßen:

Damit sich ein Muskel bewegt, schüttet der zugehörige Nerv einen Transmitterstoff (Acetylcholin) aus. Die Folge: Der Muskel kontrahiert, zieht sich also zusammen. Botulinumtoxin hemmt die Ausschüttung des Transmitterstoffs. Dadurch kann sich der Muskel nicht mehr (so stark) zusammenziehen und entspannt sich.

Es gibt sieben Serotypen des Wirkstoffs, die sich in ihrer Konzentration und ihren Eigenschaften unterscheiden. Mit ihnen lassen sich nicht nur Behandlungen in der ästhetischen Medizin durchführen (Faltenbehandlung/Faltenglättung), sondern z. B. auch eine Verbesserung neurologischer Probleme erzielen. Häufige Anwendungsgebiete von Botulinum sind Dystonien, also Bewegungsstörungen, bei denen unwillkürliche und abnorme Muskelbewegungen stattfinden können. Dazu gehören u. a. Tremor, Schiefhals, Lidkrämpfe, Spastiken oder Schielen. Auch bei chronischen Fällen von Migräne kann Botox Linderung schaffen.

Der Wirkstoff hat sich auch bei der Behandlung von übermäßigem Schwitzen bewährt: Bei Hyperhidrose kann Botulinumtoxin die vermehrte Schweißbildung z. B. unter den Achseln unterbinden.

Studie: Botulinum zur Tinnitus-Therapie – Injektion in den Bereich der Ohrmuschel

Amerikanischen Wissenschaftlern vom California Ear Institute in San Ramon zufolge kann Botox auch bei der Behandlung von Tinnitus effektiv sein. Entsprechende Ergebnisse präsentierten sie bei einem Treffen der Amerikanischen Akademie für HNO-Heilkunde in New York.

Die Studie umfasste 26 Tinnitus-Patienten, deren Ohrgeräusche zunächst genau klassifiziert wurden. Für die Tinnitus-Therapie injizierten sie die Substanz bei einer Gruppe der Patienten in den Bereich der Ohrmuschel. Den anderen Gruppen verabreichten die Forscher ein Placebo. Sie wiederholten die Injektionen vier Monate später.

Anschließend befragten Sie die Studien-Teilnehmer nach ihrem subjektiven Empfinden und feststellbaren Veränderungen. Bei einigen Patienten, denen sie die Substanz verabreicht hatten, konnten sie einen Rückgang der Ohrgeräusche feststellen.

Andere Herangehensweisen für die Tinnitus-Therapie mit Botox

Wenn die Ohrgeräusche durch eine Dysmotion des Gaumensegels bedingt sind, können Injektionen mit Botulinum Linderung bringen. Dies gilt auch für die sog. klaffende Tube, eine Funktionsstörung der Tube mit einem insuffizienten Verschluss zwischen Nasen-Rachen-Raum und der Paukenhöhle des Mittelohrs.

Da Ohrgeräusche auch infolge von Kiefergelenksbeschwerden entstehen, kann es sich lohnen, Botulinum hier einzusetzen. Nächtliches Zähneknirschen ist oft die Folge einer überaktiven Kaumuskulatur. Betroffene leiden häufig unter Schmerzen im Kiefergelenk und Verspannungen der Halswirbelsäule. Dadurch wachen sie morgens mit einem schmerzenden Kiefer und Spannungskopfschmerz auf. Diese Beschwerden verbessern sich meist im Tagesverlauf. Mit dieser Symptomatik geht oft auch einseitiges oder beidseitiges Ohrenklingeln einher.

Außer einer Neuraltherapie oder Behandlungen mit Akupunktur und Chirotherapie kann in einem solchen Fall auch Botulinum zum Einsatz kommen. Hierbei wird der Wirkstoff in den Kaumuskel injiziert. In manchen Fällen bessern sich die Beschwerden dadurch.

Botulinum und Tinnitus-Therapie Frankfurt

Wenn Sie unter Ohrgeräuschen leiden, vereinbaren Sie bitte einen Termin bei uns. Mit einer ausführlichen Diagnostik in unserer Praxis in Frankfurt klären wir zunächst, woher Ihr Tinnitus kommt. Ausgehend von den Untersuchungsergebnissen können wir eine individuell auf Sie zugeschnittene Therapie erarbeiten.

Zudem kennen wir uns auch mit der Botox-Behandlung aus.

HNO Frankfurt: Dr. med. Thomas Fischer

Ihr Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, der Sie in sämtlichen Fragen der HNO-Heilkunde, der funktionell-plastischen Chirurgie sowie der ästhetischen Behandlung von Veränderungen der Gesichtshaut professionell und individuell berät, untersucht und behandelt.

Unsere News-Beiträge werden nach bestem Wissen und Gewissen für Sie erstellt und dienen der allgemeinen Weiterbildung. Sie ersetzen auf keinen Fall eine ärztliche Beratung, Diagnose und Behandlung und sollen weder zur Selbstdiagnose noch zur Selbstbehandlung auffordern. Bitte wenden Sie sich bei gesundheitlichen Beschwerden immer direkt an Ihren HNO Arzt Frankfurt!

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HNO Frankfurt | Dr. Thomas Fischer
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